"Angefangen hat es mit einem Kaffee"

"Angefangen hat es eigentlich mit einem Kaffee" kann hier Johannes Meyer (1925 - 1998), 26 Jahre lang Vorsitzender und Gründer der Weilburger Schlosskonzerte e. V., zitiert werden.

Im April 1972 war der Frankfurter Musikredakteur und Dirigent Hans Koppenburg (1932 - 2013) zu Besuch bei Meyers, und da entstand der Gedanke, Konzerte in der wunderbaren Umgebung des Weilburger Schlosses zu veranstalten. Es war 1972 ein wagemutiger Gedanke, ein altes Schloss aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Meyer trug dem damaligen Wirtschaftsminister Heinz-Herbert Karry bei einem Weilburgbesuch den Schlosskonzertgedanken vor. Karry reagierte prompt - umgehend stand Geld für den Kauf von Stühlen zur Verfügung, und damit waren die Planer in der Pflicht. Mit 334 Stühlen und viel Engagement startete das Gründungsteam, als Schirmherr konnte Seine Königliche Hoheit, Großherzog Jean von Luxemburg und Herzog von Nassau, gewonnen werden, dessen Vorfahr Herzog Adolph der letzte Privatbesitzer des Schlosses war.

Zuhörer bringen zum ersten Konzert Stühle mit

Im Dezember 1972 wurde der Verein gegründet, dann blieb noch ein halbes Jahr, in dem man sich auf die erste Saison vorbereitete: Die Schlosskirche stand als Ausweichspielstätte zur Verfügung, doch wurden alle 4 Konzerte für den Renaissancehof unter freiem Himmel geplant. Zu den vorhandenen Stühlen wurden aus Kirchen und dem Gymnasium weitere 400 Stühle zusammengesammelt. Niemand hätte sich je träumen lassen, dass die Sitzgelegenheiten in diesem ersten Jahr trotzdem nicht ausreichten. Weilburger Gastwirte liehen Stühle an ihre Gäste aus, die sie nach dem Essen mit in den Renaissancehof mitnehmen konnten - denn wer eine Sitzgelegenheit mitbrachte, durfte noch ins Konzert. Einige Gäste bauten sogar Autositze aus ihren Fahrzeugen aus, um an dem Konzert teilzunehmen. Um der großen Kartennachfrage nachzukommen, musste kurzerhand das 4. Konzert am darauffolgenden Abend wiederholt werden.

Die Presse meldet in diesem Sommer: "Der 30. Juni 1973 war ein wichtiges Datum für den Europäischen Festspielkalender, denn an diesem Tag wurde der Renaissancehof der Weilburger Schlosses als Aufführungsort für Konzerte entdeckt. Zu der märchenhaften Atmosphäre gesellt sich eine einmalige Akustik, wie sie wenige geschlossene Säle aufweisen können".

Heute wird der im Renaissancehof vorhandene Platz optimal genutzt, so dass bei ausverkauften Konzerten 1500 Besucher Platz finden.

Musikliebhaber schätzen die Atmosphäre

Heute finden ca. 30.000 Besucher jährlich den Weg nach Weilburg. Neben einem stetig ansteigenden Stammpublikum kommt immer wieder eine Reihe neuer Musikliebhaber dazu, die die Atmosphäre dieses einzigartigen Schlosses schätzen. Die Musikfreunde kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland. Besondere Schwerpunkte bilden das Rhein-Main-Gebiet, das Rhein-Ruhr-Gebiet, mittlerweile die angrenzenden Bundesländer und das angrenzende Ausland.

Königliche Hoheit ist Schirmherr

Zur Tradition ist es geworden, dass beinahe jedes Jahr eine große Persönlichkeit den Weg nach Weilburg findet. Allen voran natürlich der Schirmherr, mittlerweile Seine Königliche Hoheit, Großherzog Henri von Luxemburg und Herzog von Nassau. Weitere Gäste waren und sind der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog, Ruth Wagner, der ehemalige Hessische Ministerpräsident Roland Koch, der ehemalige Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst Udo Corts, die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, Marcel Reich Ranicki u.v.a.m.

Karl Rarichs prägt 30 Jahre lang das Programm

Künstlerisch führte von 1980 bis 2010 Karl Rarichs aus Frankfurt am Main die Konzerte an. Er verstand es immer wieder, das Programm abwechslungsreich zu inszenieren und Künstler höchsten Ranges zu verpflichten. Verschiedene Schwerpunkte wurden gesetzt und bestätigen bis heute mit einer Auslastung von jährlich um die 90 % den Erfolg seiner Konzeption.

Das größte Anliegen des Künstlerischen Leiters Karl Rarichs war jedoch der kulturelle, fast pädagogische Auftrag, Kinder und Jugendliche an die Musik heranzuführen. So hat er die in Frankfurt erfolgreiche Reihe der Familienkonzerte in Weilburg ebenfalls etabliert und zu großem Erfolg geführt.

Intendant Stephan Schreckenberger setzt neue Akzente

Seit 2011 ist Stephan Schreckenberger Intendant der Weilburger Schlosskonzerte. Unter seiner künstlerischen Leitung wuchsen die Festspiele auf ihre heutige Größe. Schreckenberger etablierte eine neue Programmstruktur zwischen internationalem Renommee und lokaler Verortung, erschloss neue Spielstätten und Konzertformate in und um Weilburg und baute die Programme sowohl mit jungen Künstlern als auch für junge Hörer weiter aus. Die junge Linie der Weilburger Schlosskonzerte ist mit Classical Freestyle zu finden.

Schüler lernen Verantwortung

Auch beim Blick hinter die Kulissen zeigen die Weilburger Schlosskonzerte ihre hohen Anforderungen und pädagogischen Anspruch an die Jugend: Platzanweiser, Künstlerbetreuung, Reinigungsdienste, Beleuchter, Chauffeure, Bühnen-, Orchester- und Stuhlaufbau etc. sind Aufgaben, die Jugendliche verlässlich in Weilburg erfüllen und dies ehrenamtlich aus Liebe zur Musik und zu den Schlosskonzerten. Sie verbringen ihre Freizeit mit dem spielerischen Erlernen von Verantwortung und akzeptieren dabei als einziges Entgelt den Besuch der Konzerte. Mittlerweile zählt man einen Pool von mehr als 50 jugendlichen Helfern aus der Region. Jetzt arbeiten bereits die Kinder der ersten Helfergeneration aus den Gründungszeiten bei den Konzerten. Neue Helfer werden jährlich von den Jugendlichen selbst in allen umliegenden Schulen akquiriert. Auch hier ist der pädagogische Wert dieser "Arbeit" kaum zu ermessen.

Hessischer Rundfunk als Medienpartner

Der Zeitgeist geht auch an den "Internationalen Musikfestspielen Weilburger Schlosskonzerte" nicht vorbei. In Zeiten knapper Zuschüsse durch Institutionen und das Land hat sich die Geschäftsführung unter Miriam Kunz seit 2001 intensiv mit dem Thema Sponsoring beschäftigt. Im Zuge dessen gibt es längst ein Corporate Identity, mit welchem sich die Konzerte international behaupten können, die Qualität der Konzerte ist Voraussetzung und selbstverständlich. Die Außendarstellung wurde intensiviert und verbessert, Sponsoren befinden sich konstant in bester Gesellschaft, als Beispiel sei hier nur die Fraport AG oder die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen genannt. Die Medienpartnerschaft mit dem Hessischen Rundfunk garantiert jährlich die Aufzeichnung und Live-Übertragung europaweit (EBU) von etlichen Konzerten.

Kulturförderung als wichtiges Projekt findet sich mittlerweile verstärkt in der Struktur eines jeden Unternehmens. Die Eingliederung in Abteilungen wie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit oder gar die eigenständige Abteilung Kulturförderung beweist die immer wertvollere Stellung der Verbindung von Kultur und Unternehmensdarstellung. Die Verknüpfung beider Faktoren ergibt einen gegenseitigen Auf- und Ausbau an Imagewerbung, die zunächst als Werbung mit großer Wirkung zu sehen ist.

Die Weilburger Schlosskonzerte sind seit ihrer Gründung 1972 ein musikkultureller Imageträger mit beständig hohem künstlerischen Niveau und kontinuierlich erfolgreicher Festivaltätigkeit.