„Ich höre ungern auf – egal womit“
Ein Gespräch mit dem Pianisten Haiou Zhang über späte Entscheidungen, Jetlags auf der Bühne und seine Liebe für klassische Musik
Liebe Freunde der Weilburger Schlosskonzerte,
wir durften ein exklusives Interview mit dem international gefeierten Pianisten Haiou Zhang führen, der am 25. Juli um 20 Uhr, gemeinsam mit den Nürnberger Symphonikern im Renaissancehof konzertieren wird.
Er gehört zu den international gefragten Pianisten unserer Zeit: Haiou Zhang begeistert mit seiner emotionalen Spielweise und tiefen musikalischen Interpretationen – und das auf Bühnen rund um den Globus. Im Interview spricht er über seinen eher späten Entschluss, Musiker zu werden, die Herausforderungen des Konzertalltags und verrät, was ihn am Klavier immer wieder aufs Neue begeistert.
Herr Zhang, Sie gelten als international erfolgreicher Pianist. Wann stand für Sie fest, dass Sie diesen Weg gehen wollen?
Eigentlich ziemlich spät. Ich schätze, erst mit 22 oder 23 Jahren war die Entscheidung endgültig klar.
Was lieben Sie besonders an Ihrem Beruf – und gibt es auch Seiten, die Sie gerne ändern würden?
Das Schönste ist für mich, Menschen durch Musik zu berühren und zu emotionalen Begegnungen zu führen. Aber natürlich gibt es auch weniger angenehme Aspekte – vor allem das viele Reisen. Es ist unvermeidlich, gehört einfach dazu, aber oft empfinde ich es als belastend.
Hören Sie privat auch mal etwas anderes als klassische Musik?
Tatsächlich fast ausschließlich Klassik. Manchmal auch etwas Jazz oder Lounge.
Gab es jemals eine berufliche Alternative?
Vielleicht Schriftsteller. Das hätte ich mir durchaus vorstellen können.
Was war bisher die aufregendste Zeit Ihrer Karriere?
Ich habe das Gefühl, bei mir ist es durchgehend aufregend. 2010 zum Beispiel – mein Karrierestart mit Debüts in Kanada und Brasilien – das war unvergesslich. Und auch im Herbst 2022, nach der Covid-Zeit, konnte ich mehrere bedeutende Debüts geben: in der Elbphilharmonie Hamburg, der Philharmonie Berlin und im Gewandhaus Leipzig. Das war eine ganz besondere Phase.
Haben Sie bestimmte Rituale, bevor Sie auf die Bühne gehen?
Ja – ich atme zehn Mal ganz tief durch.
Gab es jemals den Gedanken aufzuhören?
Nein, bisher nie. Ich höre generell sehr ungern auf – ganz gleich, worum es geht.
Wie wichtig ist Ihnen Ihre Familie als Rückhalt?
Sehr wichtig. Sie hat unglaublich viel für mich getan und gibt mir die Geborgenheit, die ich brauche.
Wonach wählen Sie neue Werke für Ihr Repertoire aus?
Das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Ich muss sofort spüren, dass mich ein Werk anspricht und dass es das Potenzial hat, im Konzert zu etwas Großem zu werden.
Was macht für Sie ein gutes Orchester aus?
Ein Orchester sollte mir Vertrauen und Gelassenheit geben – sodass ich mich ganz auf die Musik konzentrieren kann. Am Ende muss es menschlich wie musikalisch absolut harmonisch sein.
Sie arbeiten regelmäßig mit verschiedenen Orchestern und Dirigenten. Wie schnell findet man da musikalisch zueinander?
Das ist ganz unterschiedlich. Meistens haben wir zwei Proben, manchmal nur eine – in seltenen Fällen sogar drei. Da braucht es viel Aufmerksamkeit, Fingerspitzengefühl und manchmal einfach Glück.
Wird es nicht langweilig, ein Werk immer wieder zu spielen?
Das ist tatsächlich eine Herausforderung, besonders auf Tournee. Ich versuche, das aktiv aufzufangen – durch Bücher, neue Aufnahmen oder einen Spaziergang in der Natur. So finde ich neue Inspiration und frische Energie.
Gab es auf Reisen auch mal lustige oder kuriose Erlebnisse?
Oh ja! Einmal bin ich während der Orchester-Ouvertüre auf einer Tournee in Kanada eingeschlafen – völlig übermüdet durch den Jetlag. Zum Glück hat mich der Orchesterwart rechtzeitig geweckt.
Wann gehen Sie zufrieden von der Bühne?
Vielleicht ganz kurz nach der letzten Zugabe. Aber dann kommen schnell wieder die selbstkritischen Gedanken.
Stört Sie das viele Üben manchmal?
Nicht mehr. Es ist klar: Viel Üben nervt manchmal, aber es zahlt sich einfach aus.
Wie gehen Sie mit dem Druck um, immer auf höchstem Niveau zu spielen?
Sport, guter Schlaf, gesunde Ernährung – und mentales Training. All das hilft enorm.
Besuchen Sie selbst auch Konzerte?
Selten. Ich würde es mir öfter wünschen, aber oft fehlt einfach die Zeit.
Haben Sie einen Lieblingskomponisten?
Beethoven, Mozart, Brahms, Ravel, Debussy… und noch viele mehr.
Wie sehen Sie die Zukunft des klassischen Konzerts?
Ich bin da sehr optimistisch. Klassische Musik ist nachhaltig und verbindet Generationen. Sie wird bleiben.
In Weilburg spielen Sie Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 2 d-Moll op. 40. Was ist für Sie das Besondere an diesem Werk?
Ein fantastisches Werk, das viel zu selten gespielt wird. Es ist unglaublich virtuos und poetisch – eine echte Herausforderung in Bezug auf Balance und Klanggestaltung. Ich freue mich sehr darauf!
Hier geht’s zu den Tickets für den 25.Juli:
Haiou Zhang – Helden
Alle Informationen rund um die Saison und Karten gibt es im Büro der Weilburger Schlosskonzerte von Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr, telefonisch unter 0 64 71 – 94 42 10 und 11 sowie auf der Website der Weilburger Schlosskonzerte, www.weilburger-schlosskonzerte.de
Herzliche Grüße,
Ihr Team der Weilburger Schlosskonzerte
Probenvideo von Haiou Zhang mit den Nürnberger Symphonikern.
© Haiou Zhang
