"Was zählt ist die Musik" Linus Roth, Violine, (2015)

Herr Roth, Sie sind in Weilburg ein stets immer wieder gern gesehener und gehörter Gast. In 2015 sind Sie bereits zum dritten Mal in Weilburg. Gibt es ein schönes Erlebnis, an das Sie sich gern zurück erinnern?

Ich finde die Konzerte im Schlosshof immer ganz toll, die Atmosphäre dort, die hat was. Wenn das Wetter passt, und bei mir hat es immer gepasst, kommt ein bisschen südliches Flair auf. Auch ist die Akustik in dem Innenhof perfekt. Die ist bei Open-Air Konzerten sonst immer das Problem, da kein Widerhall vorhanden ist, aber im Schlosshof spielt es sich gut.

Sie stehen in 2015 gleich zweimal in Weilburg auf der Bühne. Zum einen am 11. Juli gemeinsam mit den Bochumer Symphonikern und am 12. Juli solistisch. Welchen Unterschied macht es für Sie, ob Sie alleine oder mit einem großen Orchester im Rücken auftreten?

Wie Sie schon sagen, man hat ein Orchester im Rücken. Einerseits wird man im Idealfall von der Begleitung getragen, zum anderen muss ich mich als Solist klanglich und mit Persönlichkeit durchsetzen. Natürlich will ich nicht sagen, dass man einer gegen 50 ist, aber man muss sich behaupten. Auch ist das Spielen eines Violinkonzertes mit Orchester eine zeitlich und kräftemäßig konzentrierte Angelegenheit. Es geht um 30 bis 40 Minuten. Bei einem Solo-Rezital brauche ich mehr Kondition. Es geht länger und da ich nicht nur einen Komponisten spiele, ist es viel breiter gefächert.

Sie spielen immer wieder mit unterschiedlichen Orchestern und Dirigenten zusammen. Wie lange braucht man, um mit dem neuen Orchester oder Dirigenten klar zu kommen?

Mit einem Dirigenten und mit einem Orchester ist es wie im alltäglichen Leben auch. Man trifft sich und im Idealfall kann man unglaublich gut miteinander und im aller schlimmsten Fall kann man nicht miteinander, was mir aber noch nie passiert ist. Zudem sind es alles professionelle Musiker, die generell schon mal in eine Richtung denken. Jeder will ja das gleiche. Insofern ist die Zusammenarbeit immer sehr spannend. Vorher hat man sich eine Interpretation zurecht gelegt, aber abhängig davon, mit wem man spielt, ändert sie sich in kleinen Details. Jeder gibt etwas dazu, und darauf einzugehen, das ist das Spannende.

In Ihrem Solokonzert am 12. Juli spielen Sie neben Werken von Johann Sebastian Bach unter anderem die Solosonate Nr. 2 von Mieczysław Weinberg. Mit diesem Komponisten haben Sie sich in der Vergangenheit intensiv beschäftigt und mehrere CDs aufgenommen. Warum übt gerade dieser Komponist einen besonderen Reiz auf Sie aus?

Da gibt es mehrere Aspekte. Weinbergs Musik ist immer noch neu. Viele seiner Werke sind noch gar nicht aufgenommen oder in Deutschland im Konzertsaal aufgeführt worden, obwohl sie schon 50 Jahre existieren und es erstklassige Musik ist. Ich finde sie sehr bewegend. Er hat einen großen Schatz hinterlassen und den entdecke ich für mich immer mehr. In einem Konzert in Karlsruhe habe ich im November die deutsche Erstaufführung von seinem Violinkonzert gespielt, 54 Jahre nachdem er es komponiert hat. Das ist schon etwas Unglaubliches.

Wie erhalten Sie sich die Begeisterung für ein Werk, damit es nicht zur Routine wird?

Das Gefühl einer Routine im negativen Sinn habe ich nie. Zum einen habe ich mit 40 Violinkonzerten ein sehr breites Repertoire. Schon allein deswegen habe ich viel Abwechslung. Zum anderen kommt dazu, wenn man mit anderen Dirigenten und anderen Orchestern zusammen sowie an einem anderen Ort spielt, ist immer etwas Neues dabei. Es ist nie wirklich das Gleiche. Die Notentüpferl sind die gleichen Töne, aber das Zusammenreihen ist was anderes.

Wie gehen Sie mit dem Druck um, immer Bestleistungen zu zeigen? Wenn Sie auf der Bühne stehen, erwartet ja das Publikum immer das Beste von Ihnen.

Ich weiß nicht, was das Publikum von mir erwartet. Ich weiß nur, was ich von mir erwarte und, dass ich selbst mein schlimmster Kritiker bin. Ich versuche jedes Konzert besser zu spielen als das letzte Konzert. Immer in dem Wissen, dass das letzte Quäntchen zur Perfektion natürlich nicht existiert, weil wir Menschen sind und Fehler machen. Wenn mal ein Fehler passiert, dann ist er hoffentlich klein und ich weiß bzw. hoffe, dass dadurch nicht entschieden wird, ob das Konzert gut oder schlecht war. Es geht schlussendlich nicht um die Leistung, die wir zu bringen haben, sondern darum, dass wir Musik machen für Menschen und, dass Musik bewegt.

Seit Ihrem 6. Lebensjahr spielen Sie Geige. Haben Sie das Üben jemals als „Einzelhaft“ am Instrument empfunden?

Nein im Gegenteil, sondern eher als wunderbares Rückzugsgebiet. Wenn ich alleine mit meiner Geige in meinem Übezimmer bin, schaltet sich alles andere automatisch ab. Ich bin da in meiner ganz eigenen Welt und das tut mir gut.

Was ist für Sie das schönste an Ihrem Beruf? Oder gibt es auch negative Seiten, die Sie gerne ändern würden?

Ich hasse es, zu warten. Vielleicht liegt es daran, dass wir als Musiker so viel reisen. Wir warten auf das Flugzeug, den Zug, die Probe und dann auf das Konzert. Man verliert viel Zeit durchs Rumsitzen. Das ist aber etwas, was ich nicht ändern kann.

Und was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Oh, es gibt vieles schönes in meinem Beruf. Auch wenn das Reisen mit dem Warten verbunden sehr nervig ist, reise ich doch sehr gerne. Beziehungsweise ich lerne gerne neue Länder und neue Menschen kennen. Aber das Allerschönste ist für mich, auf der Bühne zu stehen, Musik zu machen und mein Bestes zu geben. Menschen mit Musik zu berühren und diese Menschen mitzunehmen in welche Welt auch immer. Jeder hört etwas anderes in einem Musikstück. Was ich auch sehr genieße, ist dieser Moment, auf die Bühne zu gehen. Sobald der Vorhang hoch geht, ist nichts mehr rückgängig zu machen und die Sache läuft. Dann spielt alles andere keine Rolle mehr. Es geht nur noch um Musik. Dieser Moment ist großes Glück.

Seit 2012 sind Sie Professor für Violine am „Leopold-Mozart-Zentrum“ der Universität Augsburg. Was möchten Sie Ihren Studenten vor allen Dingen mit auf den Weg geben?

Zum einen lernen sie bei mir schnell, dass es natürlich schön ist, Talent zu haben, dies aber relativ nutzlos ist, wenn man nicht übt. Und eigentlich je mehr Talent man hat, umso mehr muss man arbeiten. Dies ist man sich selbst schuldig. Zum anderen sollen sie bei allen Schwierigkeiten, seien es technische Schwierigkeiten, der große Konkurrenzkampf oder anderes, nicht vergessen, dass es um die Liebe zur Musik geht. Das ist nicht immer einfach, aber das ist eigentlich warum wir es machen.

Welche Musik hören Sie privat? Gibt es neben der Klassik auch andere Musik?

Ja, selten. Also ich habe nichts gegen Popmusik, es gibt auch gute von Michael Jackson zum Beispiel. Und auch Jazz kann sehr toll sein. Aber die Tiefe der sogenannten klassischen Musik, die ein unglaublich breites Spektrum hat, hat andere Musik für mich nicht.

„Stücke mit Gebrauchsanweisung mögen wir nicht“ Andrej Kauffmann, Schlagzeug (2015)

Herr Kauffmann, wie kamen Sie zum Schlagzeug?

Bei mir war es so, dass ich aufgrund der Möglichkeiten, die ich durch meine Eltern hatte, ganz viel in der musikalischen Welt herum gekommen bin. Ich habe natürlich auch Klavier gespielt, Flöte und Geige, habe aber strategisch immer dann aufgehört, wenn es ans Üben ging und habe dann meinen Eltern versucht klar zu machen, dass ich mich jetzt für ein neues Instrument interessiere. Dem haben sie tatsächlich auch oft nachgegeben, und so bin ich irgendwann beim Schlagzeug gelandet. Ich habe da offensichtlich einen sensationellen Pädagogen gehabt, der mich - ausgerechnet beim Schlagzeug! - über diesen Punkt des ersten Investierens hinweg gehoben hat. Ich habe bei diesem Lehrer den ganz klassischen Weg gelernt: man fängt also mit einer kleinen Trommel an - das ist natürlich das Ödeste, was man sich vorstellen kann, denn man hat so gar keine Chance, Weihnachten etwas vorzuspielen, bei dem dann alle mit den Augen rollen und ganz ergriffen gucken. Man sitzt da, macht sein rhythmisches Zeug und kontrolliert, dass links und rechts gleich klingt. Man klopft wirklich alles, was rhythmisch ist und was es da an Möglichkeit gibt, durch. Mein erster Lehrer hat es einfach wirklich geschafft, mich bei der Stange zu halten. Wie alt waren Sie da? Ich bin spät beim Schlagzeug gelandet, mit 16.

War Ihnen da schon klar, was das Schlagzeug alles umfasst? Ich denke, viele stellen sich einfach unter Schlagzeug das Schlagzeug vor, was man von der Band kennt.

Ich bin von meinem Elternhaus relativ klassisch geprägt worden und kannte so die Welt des Schlagzeugs vom Orchester her. Von daher war mir klar, es gibt eben nicht nur das Drumset, sondern es gibt auch Pauken, das ganze percussive Schlagzeug aus dem Orchester, dann natürlich auch Xylophon, Glockenspiel, Marimbaphon sowie Vibraphon und damit auch das melodische und harmonische Element. Mir war aber überhaupt nicht klar, dass man damit kammermusikalisch unterwegs sein kann. Und in welcher Hülle und Fülle man mit Schlagzeug-Musik machen kann, wie spannend und wie schön, das sein kann. Außerdem war mir auch nicht bewusst, dass man andere Menschen damit faszinieren kann.

Gibt es ein bestimmtes Instrument, das Ihnen am liebsten ist oder am besten liegt?

Gott sei Dank durch Elbtonal überhaupt nicht mehr. Vorher habe ich ja den klassischen Weg, das klassische Schlagzeug, verfechtet. Mein Bereich, in dem ich mich am aller wohlsten gefühlt habe und der auch, glaube ich, wirklich gut zu mir gepasst hat, waren die Pauken. Ich wollte ins Orchester und Pauker werden. Darauf hatte ich mich sehr eingeschossen. In der Schulklasse, die natürlich sehr rockmusiklastig orientiert war, konnte ich mit dem Instrumentarium auf der einen Seite punkten, weil es etwas exotisch war, und auf der anderen Seite konnte ich aber auch mich als Klassiker tatsächlich noch irgendwie darstellen. Das fand ich toll, das hat mir Spaß gemacht, diese Ambivalenz. Als ich dann an der Hochschule war und wir angefangen haben, Kammermusik zu machen, ist mir die gesamte Bandbreite erst bewusst geworden und ich habe dafür total Feuer gefangen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen Jan-Frederick Behrend, Wolfgang Rummel, Sönke Schreiber und Stephan Krause bei Elbtonal?

Fragen Sie nicht! (Lacht) Nein, die ist sensationell. Natürlich sind wir eine Band wie jede andere auch, mit vielen eigensinnigen Hirnen und Schädeln und zwischendurch müssen wir uns auch mal ein bisschen zurecht ruckeln. Aber das Schöne ist, das wir aus ganz unterschiedlichen musikalischen Elternhäusern und musikalischen Einstiegsbereichen ins Schlagzeug kommen. Einer aus dem Klassischen, so wie ich, der Nächste über die Jazz-Band, ein anderer über seine Rockbands. So haben wir uns gefunden und zusammengesetzt. So machen wir dann auch unsere Programme: Es muss zumindest den meisten von uns gefallen, was wir spielen und dann nach Möglichkeit auch dem Publikum. Das ist, glaube ich, das Schöne, dass jeder so seine Bereiche hat, in denen er Dinge mitbringt und erzählen kann. Das ist ein tolles gegenseitiges Geben und macht echt Spaß. Auch hat jeder vom Instrument her ein Steckenpferd. Dies wird man auch auf der Bühne sehen, wenn ein Spieler an einem Instrument recht häufig zu sehen ist.

Haben Sie sich an der Musikhochschule in Hamburg kennengelernt?

Ja, genau. Wir haben uns 1996 an der Hochschule gegründet. Es hing eine Konzertanfrage für ein kleines Schlagzeugensemble aus. Wir fanden das ganz toll und haben uns enthusiastisch dafür eingetragen, bis uns aufgefallen ist, dass das mitten in den Semesterferien lag (lacht). Da wurde uns klar, warum nur wir so heiß auf die Nummer waren. Aber das war dann die Geburtsstunde von Elbtonal. Wir haben gesagt, das möchten wir gerne weiter machen, auch weil es gerade durch die Semesterferien ein eigenständiges Erarbeiten war. So kamen wir dann relativ früh in den Genuss des „sich-selber-etwas-schaffen“. Wir schreiben ja heute auch relativ viel und arrangieren sehr viel für uns, bei dem wir dann versuchen, unsere Vorlieben und Stärken einzusetzen.

Gibt es manchmal bei der Auswahl des Repertoires auch Differenzen?

Ja. Es gibt ganz klar Stücke, die einige gerne spielen wollen, bei denen dann einer sagt, nee, das geht nicht - das mache ich nicht. Dann muss überlegt werden, ob man durchs Arrangieren etwas ändern kann oder man lässt es. Wir wären wahrscheinlich in dem Moment künstlerisch auch nicht überzeugend.

Auf Ihrer Internetseite habe ich gelesen, dass Elbtonal den „kreativen Crossover“ wie kaum eine andere Formation beherrscht. Können Sie etwas genauer beschreiben, was sich hinter dem Begriff „kreativer Crossover“ verbirgt?

Es gibt ja nicht wirklich viel Literatur für uns, da die Schlagzeugkammermusik noch eine relativ junge Sache ist. Das heißt, alles was man im klassischen Bereich kennt, was für die anderen Kammermusikzweige über Jahrhunderte hinweg geschrieben wurde, fällt für uns weg. Es gibt einen sehr großen und engagierten Bereich, der in den 70er/80er Jahren losgebrochen ist mit avantgardistischen Sachen -  die mögen wir aber nicht. Wir machen einen Bogen um die Stücke, bei denen man vorher eine Gebrauchsanweisung lesen muss, weil man einfach nicht intuitiv dahinter kommt, was dort gerade passiert oder, weil da einfach zu wenig Musik dahinter ist, die einen als Hörer - und als Spieler genauso - nicht anspricht. Gleichwohl wollen wir nicht plakativ sein und belangloses Zeug spielen. Wir sind relativ früh gezwungen gewesen, uns unsere eigene Klangwelt zu schaffen. Und ich denke, das steckt hinter diesem Ausdruck des kreativen Crossover. Wir machen keine „Vier Jahreszeiten“ als Programm auf Melodieinstrumenten oder kein Bachprogramm, was ganz klassisch arrangiert ist. Wir haben jetzt angefangen, uns Bach zu nähern, da kommt man ja als Musiker nicht drum herum. Wir haben uns aber klar gemacht, das muss in unserer Klangästhetik stattfinden. Demzufolge sind die Sachen entweder total puristisch oder aber abgewandelt, z.B. mit technischer Verfremdung von Instrumenten, aber immer bemüht, den Kern der Musik, der einen ansprechen soll, nicht kaputt zu machen. Durch das Arrangieren und dem Ausnutzen unserer Vorlieben und Stärken haben wir unsere eigene Klangsprache entstehen lassen. Mit unserer Art und Weise Programme zu gestalten, möchten wir die Welt des Schlagwerks präsentieren. Das heißt: Nicht nur perkussiv, nicht nur Show mit Alltagsgegenständen, nicht nur Melodieinstrumente und altbekanntes Repertoire. Sondern am liebsten ein bisschen aus Asien, Afrika und Europa, ein bisschen was perkussives aber auch harmonisches, ein bisschen Jazz usw.

Ist es quasi auch das, was sie im Konzert gerne erreichen möchten, dem Besucher die Welt des Schlagwerks näher zu bringen?

Ja, definitiv. Ich glaube, das ist eben der große Schatz der Schlagzeugkammermusik, dass es da noch so wahnsinnig viel Neues zu entdecken gibt. Wenn man sich darauf einlässt und sagt, „ich weiß nicht, was mich da erwartet, aber ich geh mal positiv an die Sache ran, es wird mir schon gefallen“, dann ist die erste Begegnung mit der Bühne schon gigantisch. Es stehen eben nicht vier Stühle da oder ein Flügel mit zwei Stühlen, sondern die ganze Bühne ist voll von Instrumenten, die man vielleicht alle bisher noch nicht gesehen hat, nicht weiß, wie sie heißen, woher sie kommen und wie man sie spielt. Dann kommt die Programmgestaltung dazu, die einem von vornherein auch nicht vertraut ist. Es gibt so wahnsinnig viele Komponistennamen bei den Schlagzeugkonzerten, die man nicht kennt. Einfach aus dem Grund heraus, das lange Zeit nur die Schlagzeuger selbst gut für ihr Instrumentarium schreiben konnten. Ich glaube, all diese Dinge machen die Sache unheimlich spannend und toll zu erleben. Das ist ein großer Bonus, den wir haben. Das genießen die Leute nach unseren Erfahrungen durch die Bank weg durch alle Generationen und durch jeden Musikgeschmack hindurch, ob das jetzt Leute sind, die eigentlich das Klassische lieben oder ob es Leute sind, die sich für Schlagzeug interessieren, weil sie selbst in einer Band spielen - völlig egal.

Neben Ihrem Ensemble Elbtonal sind Sie auch solistisch unterwegs und in verschiedenen Kulturorchestern beschäftigt. Was macht für Sie den Reiz in den unterschiedlichen Formationen aus?

Ich finde es immer wichtig, dass man nicht nur eine Sache macht, sondern auch in anderen Bereichen aktiv ist, sonst verödet man ein bisschen (beim Unterrichten ist man ja mit jungen Leuten zusammen, die einen frisch halten). Ich glaube, das ist der Punkt, warum wir alle nebenher noch andere Sachen machen, manchmal mit viel Leidenschaft, manchmal mit weniger. Wir müssen vom Musikmachen leben, damit wir eben entsprechend verfügbar sind für Elbtonal. Da gibt es natürlich auch mal Phasen, indenen ist dann nicht viel los. Da gibt es traditionell den Dezember - das Weihnachtsgeschäft läuft irgendwie immer an uns vorbei (lacht). Es ist immer gut eine andere Sache in der Hinterhand zu haben. Man sammelt in diesen Aktionen auch Eindrücke und knüpft Kontakte, die man mit Elbtonal unter Umständen auch wiederum ganz neu aufbereiten kann. Es kommt uns allen und jedem Einzelnen zugute, wenn man nicht nur das eine macht.

Sie haben das Unterrichten schon angesprochen. Sie sind an verschiedenen Hochschulen wie der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, dem International College of Music Hamburg und beim Landesjugendorchester Baden-Württemberg tätig. Was möchten Sie Ihren Schülern auf jeden Fall vermitteln? Was geben Sie Ihnen mit auf den Weg, außer der Technik des Spielens?

Ich finde es so wichtig, dass man nicht den Grund verliert, warum man mal angefangen hat, Musik zu machen und warum man sich dafür begeistert hat. Wenn man Berufsmusiker geworden ist, dann hat man eine unsäglich lange Zeit der Ausbildung hinter sich. Das unterscheidet diesen Beruf von vielen anderen, bei denen nach der Schulzeit mit dem Studium oder einer Ausbildung das Fein-Tuning für den Beruf stattfindet. Wir als Musiker fangen schon früh an Tonleitern zu spielen, technische Sachen zu üben, Klassenvorspiele zu machen, musikalische Abende und Wettbewerbe zu spielen usw. Und dieser Umstand birgt die Gefahr, dass man aus den Augen verliert, dass das Musik machen nicht nur technische Dinge sind. Und diese Gefahr fängt schon im Jugendorchester an - wie kann ich meine Prüfungen, meine Probespiele, meine Solosituationen bewältigen? Natürlich gehört es auch dazu Tipps zu geben, technische Sachen weiterzureichen und, wie man sich als Schlagzeuger mit den vielen Schlegeln und Instrumenten organisiert.

Sie haben bereits verschiedene CDs aufgenommen. Hören Sie sich Ihre Aufnahmen später auch noch an oder können Sie sie nicht mehr anhören?

Das stimmt tatsächlich absolut. Am liebsten will man erst mal nur noch Konzerte spielen. Die CDs wieder hören, das braucht wirklich eine ganze Zeit. Wir haben gerade wieder die Situation, dass wir unsere neue DVD „Urban Drums“ fertig haben und gleichzeitig parallel an unserem zweiten Kinderhörspiel arbeiten. Man kann das irgendwann nicht mehr hören, man mag‘s nicht mehr. Wenn man das alles zum x. Mal Korrektur guckt und sich dann derjenige meldet, der das alles schneidet und editiert und sagt: „Jungs, mir ist da ein Fehler passiert. Ich weiß nicht mehr, was die letzte Version war.“ (lacht) Und man guckt dann alles nochmal von vorne und sieht sich diese Menschen an und fragt sich, warum haben wir das eigentlich jemals gemacht, findet das überhaupt irgendwann mal irgendjemand toll? Dann merkt man wieder, wie wichtig und schön das Live-Musik-Machen ist. Da gibt es kein Nachbearbeiten, kein Schneiden und kein Umstellen. Raus gehen, spielen, die Leute mitnehmen und sich gegenseitig einen schönen Abend bereiten. Das ist wirklich das Schönste. Dann ist alles vorbei und man kann das Konzert feiern.